Mehrfachverantwortung bei Frauen: Warum innere Anspannung oft bestehen bleibt
- Monia von Burg

- 7. Jan. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen

Viele Frauen tragen gleichzeitig Verantwortung in mehreren Bereichen, im Beruf, in der Familie und im Alltag.
Nach aussen wirkt vieles stabil. Innerlich bleibt jedoch oft eine dauerhafte Anspannung bestehen, die sich nicht einfach durch Pausen oder weniger Aufgaben löst.
Mental Load beschreibt die unsichtbare mentale Organisation von Verantwortung im Alltag. Dazu gehören nicht nur einzelne Aufgaben, sondern auch das Antizipieren, Planen, Entscheiden und Kontrollieren, ob etwas erledigt wurde (Daminger, 2019). Die anhaltende innere Anspannung, die viele Frauen dabei erleben, geht jedoch häufig darüber hinaus. Bleiben mehrere Verantwortungsbereiche gleichzeitig dauerhaft aktiv, kann daraus eine anhaltende innere Anspannung entstehen.
Gedanklich läuft vieles parallel: Was noch erledigt werden muss, wer woran denken sollte, welche Aufgaben offen sind.
Diese gleichzeitige Beanspruchung kann dazu beitragen, dass ein erhöhtes Aktivierungsniveau bestehen bleibt, selbst wenn äusserlich gerade keine akute Belastung vorliegt (McEwen, 1998).
Mental Load: Warum diese Form von Belastung oft bestehen bleibt
Diese Form der Belastung entsteht nicht nur durch einzelne Aufgaben, sondern dadurch, dass mehrere Verantwortungsbereiche gleichzeitig Aufmerksamkeit beanspruchen. Diese Dynamik zeigt sich besonders dann, wenn mehrere Rollen parallel wirksam sind.
Dadurch kann ein erhöhtes Aktivierungsniveau über längere Zeit bestehen bleiben, auch wenn äusserlich gerade keine akute Anforderung vorliegt (McEwen, 1998).
Diese Entwicklung verläuft häufig schleichend. Gerade Frauen, die gleichzeitig Verantwortung im Beruf, in der Familie oder für andere Menschen tragen, erleben häufig, dass mehrere Verantwortungsbereiche dauerhaft gleichzeitig präsent bleiben.
Studien zeigen, dass eine stärkere wahrgenommene Rollenüberlastung mit einer schlechteren psychischen Gesundheit verbunden sein kann (Glynn et al., 2009). Mental Load beschreibt dabei eine spezifische Form kognitiver Arbeit, bei der Verantwortung auch zwischen einzelnen Handlungen gedanklich präsent bleibt (Daminger, 2019).
Wie sich diese dauerhafte innere Anspannung im Alltag zeigen kann, beschreibe ich im Beitrag «Mentale Erschöpfung: Warum innere Anspannung oft lange unbemerkt bleibt».
Was die Forschung über Mental Load bei Frauen sagt
Die Forschung weist darauf hin, dass nicht nur die Anzahl der Aufgaben für das Belastungserleben entscheidend ist. Belastend wirkt insbesondere, wenn Verantwortung dauerhaft gedanklich präsent bleibt und mehrere Rollen gleichzeitig Aufmerksamkeit beanspruchen.
Mehrere gleichzeitig aktive Rollen gehen häufiger mit psychischer Belastung einher
In einer Studie mit Frauen, die verschiedene berufliche und familiäre Rollen gleichzeitig trugen, war eine stärkere wahrgenommene Rollenüberlastung mit einer schlechteren psychischen Gesundheit verbunden (Glynn et al., 2009).
Mental Load bleibt häufig unsichtbar, wirkt sich aber auf das Belastungserleben aus.
Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass Frauen den grösseren Anteil der mentalen Arbeit im Haushalt und in der Kinderbetreuung übernehmen. Diese ungleiche Verteilung wird unter anderem mit mehr Stress sowie einer geringeren Lebens- und Beziehungszufriedenheit in Verbindung gebracht (Reich-Stiebert et al., 2023).
Soziale Unterstützung kann entlastend wirken
Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass soziale Unterstützung im familiären und beruflichen Umfeld zu den wichtigsten Schutzfaktoren im Umgang mit Mehrfachverantwortung gehört. Frauen mit stärkerer sozialer Unterstützung berichten insgesamt über weniger Belastung durch Work-Family-Konflikte und ein höheres psychisches Wohlbefinden (D’Amico et al., 2023).
Mehrfachverantwortung wird nicht grundsätzlich als belastend erlebt
Mehrere soziale Rollen sind nicht grundsätzlich belastend. Wie sie mit der psychischen Gesundheit zusammenhängen, hängt unter anderem von der Art und Kombination der Rollen sowie vom sozialen und kulturellen Kontext ab (Erving et al., 2022).
Oft entsteht der Eindruck, diese Belastung lasse sich durch bessere Organisation oder einzelne Veränderungen im Alltag lösen.
Die Forschung zeigt jedoch, dass nicht allein die Anzahl der Aufgaben entscheidend ist. Belastend wirkt vor allem, wenn mehrere Verantwortungsbereiche über längere Zeit gleichzeitig Aufmerksamkeit beanspruchen.
Aus Sicht der Stressforschung kann ein erhöhtes Aktivierungsniveau über längere Zeit bestehen bleiben, wenn Anpassungsleistungen dauerhaft erforderlich sind (McEwen, 1998). Deshalb greift der Versuch, Entlastung allein über bessere Organisation zu erreichen, häufig zu kurz.
Warum Entlastung allein häufig nicht ausreicht, habe ich im Beitrag «Innere Anspannung regulieren: Warum Entlastung allein oft nicht ausreicht» ausführlicher beschrieben.
Fazit
Mehrfachverantwortung wird oft als Frage von Organisation oder Zeitmanagement verstanden.
Tatsächlich geht es jedoch häufig um ein dauerhaft erhöhtes Aktivierungsniveau, das sich nicht allein durch äussere Entlastung zurückbildet.
Diese Dynamik zu verstehen, kann helfen, die eigene Situation differenzierter einzuordnen.
Wenn du dich in diesen Beschreibungen wiedererkennst, geht es häufig nicht darum, noch mehr zu leisten oder dich besser zu organisieren, sondern darum, die eigene Situation genauer zu verstehen und einen Umgang damit zu entwickeln, der langfristig mehr innere Stabilität ermöglicht.
In meinen Coachings entsteht genau dieser Raum, um die eigene Situation psychologisch einzuordnen und Schritt für Schritt mehr innere Stabilität im Alltag aufzubauen.
Quellen
Daminger, A. (2019). The cognitive dimension of household labor. American Sociological Review, 84(4), 609–633. https://doi.org/10.1177/0003122419859007
D’Amico, A., Manzo, C., Camisasca, E., Rosnati, R., & Ranieri, S. (2023). Promoting women’s well-being: A systematic review of protective factors for work–family conflict. International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(21), 6992. https://doi.org/10.3390/ijerph20216992
Erving, C. L., Wright, C., & Lara, J. (2022). An intersectional analysis of women’s social role engagement and mental health. Journal of Marriage and Family, 84(5), 1387–1407. https://doi.org/10.1111/jomf.12838
Glynn, K., Maclean, H., Forte, T., & Cohen, M. (2009). The association between role overload and women’s mental health. Journal of Women’s Health, 18(2), 217–223. https://doi.org/10.1089/jwh.2007.0783
McEwen, B. S. (1998). Protective and damaging effects of stress mediators. The New England Journal of Medicine, 338(3), 171–179. https://doi.org/10.1056/NEJM199801153380307
Reich-Stiebert, N., Froehlich, L., & Voltmer, J.-B. (2023). Gendered mental labor: A systematic literature review on the cognitive dimension of unpaid work within the household and childcare. Sex Roles, 88(11–12), 475–494. https://doi.org/10.1007/s11199-023-01362-0

Coaching für Frauen | Parkstrasse 25, 5400 Baden | www.mvbcoaching.ch

Wer bin ich?
Ich bin Monia von Burg, Psychologin (MSc UZH) und Coach für Frauen in Baden (AG) und online.
Ich begleite Frauen, die im Alltag viel Verantwortung tragen und merken, dass die innere Anspannung bestehen bleibt – auch dann, wenn nach aussen vieles funktioniert.
In meinen Coachings geht es nicht darum, noch mehr zu leisten oder sich besser zu organisieren.
Sondern darum, die eigene Situation differenziert zu verstehen und einen Umgang zu entwickeln, der langfristig mehr Stabilität im Alltag ermöglicht.
Wenn du merkst, dass gerade vieles gleichzeitig präsent ist, kann es hilfreich sein, kurz innezuhalten und die eigene Situation etwas klarer zu sehen.
Dieses Mini-Workbook führt dich durch drei einfache Fragen, die dir helfen, deine aktuelle innere Lage besser einzuordnen – ruhig und ohne Druck.



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