Mehrfachverantwortung bei Frauen: Warum innere Anspannung oft bestehen bleibt
- Monia von Burg

- 7. Jan. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag

Viele Frauen tragen gleichzeitig Verantwortung in mehreren Bereichen, im Beruf, in der Familie und im Alltag.
Nach aussen wirkt vieles stabil. Innerlich bleibt jedoch oft eine dauerhafte Anspannung bestehen, die sich nicht einfach durch Pausen oder weniger Aufgaben löst.
Mental Load beschreibt die unsichtbare mentale Organisation von Verantwortung im Alltag. Dazu gehören nicht nur einzelne Aufgaben, sondern auch das ständige Mitdenken, Planen und Organisieren. Die anhaltende innere Anspannung, die viele Frauen dabei erleben, geht jedoch häufig darüber hinaus. Bleiben mehrere Verantwortungsbereiche gleichzeitig dauerhaft aktiv, kann daraus eine anhaltende innere Anspannung entstehen.
Gedanklich läuft vieles parallel: Was noch erledigt werden muss, wer woran denken sollte, welche Aufgaben offen sind.
Diese gleichzeitige Aktivierung kann dazu führen, dass das innere Aktivierungsniveau erhöht bleibt, selbst dann, wenn äusserlich gerade keine akute Belastung besteht.
Mental Load: Warum diese Form von Belastung oft bestehen bleibt
Diese Form der Belastung entsteht nicht nur durch einzelne Aufgaben, sondern dadurch, dass mehrere Verantwortungsbereiche gleichzeitig Aufmerksamkeit beanspruchen. Diese Dynamik zeigt sich besonders dann, wenn mehrere Rollen parallel wirksam sind.
Dadurch kann das Aktivierungsniveau über längere Zeit erhöht bleiben, auch dann, wenn äusserlich gerade keine akute Anforderung besteht.
Diese Entwicklung verläuft häufig schleichend. Gerade Frauen, die gleichzeitig Verantwortung im Beruf, in der Familie oder für andere Menschen tragen, erleben häufig, dass mehrere Verantwortungsbereiche dauerhaft gleichzeitig präsent bleiben.
Studien zeigen, dass Mental Load und Mehrfachverantwortung mit einer erhöhten psychischen Belastung verbunden sind (Alnazly et al., 2023; Eugène et al., 2024).
Wie sich diese dauerhafte innere Anspannung im Alltag zeigen kann, beschreibe ich im Beitrag «Mentale Erschöpfung: Warum innere Anspannung oft lange unbemerkt bleibt».
Was die Forschung über Mental Load bei Frauen sagt
Die Forschung zeigt übereinstimmend, dass nicht nur die Anzahl der Aufgaben entscheidend ist. Belastend wirkt vor allem, wenn mehrere Verantwortungsbereiche dauerhaft gleichzeitig Aufmerksamkeit beanspruchen.
Mehrere gleichzeitig aktive Rollen gehen häufiger mit psychischer Belastung einher
Frauen, die verschiedene Lebensbereiche gleichzeitig managen, berichten häufiger über Stress, depressive Symptome und Einbussen im Alltag – insbesondere in Care-Berufen (Alnazly et al., 2023).
Mental Load bleibt häufig unsichtbar, wirkt sich aber auf das Belastungserleben aus.
Gerade die ständige mentale Organisation von Terminen, Verantwortung und Sorgen wird mit einer erhöhten psychischen Belastung in Verbindung gebracht. Während der Pandemie wurde diese unsichtbare Mehrfachbelastung besonders deutlich (Eugène et al., 2024).
Traditionelle Frauen- und Mutterrollen verstärken den inneren Druck
Je stärker Frauen klassische Rollenbilder verinnerlicht haben, desto belastender wird ihre Mehrfachrolle erlebt (Delgado-Herrera et al., 2024).
Soziale Unterstützung kann psychisch entlasten
Frauen, die aktiv ihr Netzwerk nutzen, erleben ihre Rollen weniger belastend und bleiben psychisch stabiler (Aidoo & Kwakye, 2022).
Mehrfachverantwortung wird nicht grundsätzlich als belastend erlebt
Nicht die Anzahl der Aufgaben ist entscheidend, sondern wie viel Gestaltungsraum und Sinn Frauen in ihrem Alltag erleben (Erving et al., 2022).
Oft entsteht der Eindruck, diese Belastung lasse sich durch bessere Organisation oder einzelne Veränderungen im Alltag lösen.
Die Forschung zeigt jedoch, dass nicht allein die Anzahl der Aufgaben entscheidend ist. Belastend wirkt vor allem, wenn mehrere Verantwortungsbereiche über längere Zeit gleichzeitig Aufmerksamkeit beanspruchen.
Psychologisch lässt sich das dadurch erklären, dass ein erhöhtes Aktivierungsniveau über längere Zeit erhöht bleiben kann. Deshalb greift der Versuch, Entlastung allein über bessere Organisation zu erreichen, häufig zu kurz.
Warum Entlastung allein häufig nicht ausreicht, habe ich im Beitrag «Innere Anspannung regulieren: Warum Entlastung allein oft nicht ausreicht» ausführlicher beschrieben.
Fazit
Mehrfachverantwortung wird oft als Frage von Organisation oder Zeitmanagement verstanden.
Tatsächlich geht es jedoch häufig um ein dauerhaft erhöhtes Aktivierungsniveau, das sich nicht allein durch äussere Entlastung zurückbildet.
Diese Dynamik zu verstehen, kann helfen, die eigene Situation differenzierter einzuordnen.
Wenn du dich in diesen Beschreibungen wiedererkennst, geht es häufig nicht darum, noch mehr zu leisten oder dich besser zu organisieren, sondern darum, die eigene Situation genauer zu verstehen und einen Umgang damit zu entwickeln, der langfristig mehr innere Stabilität ermöglicht.
In meinen Coachings entsteht genau dieser Raum, um die eigene Situation psychologisch einzuordnen und Schritt für Schritt mehr innere Stabilität im Alltag aufzubauen.
Quellen
Aidoo, E., & Kwakye, I. (2022). Patterns of social support and multiple roles on the psychological wellbeing of working-class women. Journal of Education, Society and Behavioural Science, 35(3), 1–11. https://doi.org/10.9734/jesbs/2022/v35i330409
Alnazly, E. K., Saifan, A. R., Al-Badarneh, D. M., & Al-Shdayfat, N. M. (2023). Stress and depression among women in multiple roles: A cross-sectional study. International Journal of Mental Health Nursing. https://doi.org/10.2147/IJWH.S435857
Delgado-Herrera, M., Aceves-Gómez, A. C., & Reyes-Aguilar, A. (2024). Relationship between gender roles, motherhood beliefs, and mental health. PLOS ONE, 19(3), e0298750. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0298750
Erving, C., Wright, C., & Lara, J. (2022). An intersectional analysis of women's social role engagement and mental health. Journal of Marriage and the Family, 84(5), 1387–1407. https://doi.org/10.1111/jomf.12838
Eugène, D., Nöthling, J., Tarsitani, L., Palantza, C., Papola, D., Barbui, C., Bryant, R., Panter-Brick, C., Hall, B. J., Fok Lam, A. I., Huizink, A. C., Fuhr, D., Purba, F. D., Mittendorfer-Rutz, E., Andriani, D., van der Waerden, J., Acartürk, C., … Seedat, S. (2024). Mental health during the COVID-19 pandemic: An international comparison of gender-related home and work-related responsibilities, and social support. Archives of Women’s Mental Health, 28, 359–374. https://doi.org/10.1007/s00737-024-01497-3

Coaching für Frauen | Parkstrasse 25, 5400 Baden | www.mvbcoaching.ch

Wer bin ich?
Ich bin Monia von Burg, Psychologin (MSc UZH) und Coach für Frauen in Baden (AG) und online.
Ich begleite Frauen, die im Alltag viel Verantwortung tragen und merken, dass die innere Anspannung bestehen bleibt – auch dann, wenn nach aussen vieles funktioniert.
In meinen Coachings geht es nicht darum, noch mehr zu leisten oder sich besser zu organisieren.
Sondern darum, die eigene Situation differenziert zu verstehen und einen Umgang zu entwickeln, der langfristig mehr Stabilität im Alltag ermöglicht.
Wenn du merkst, dass gerade vieles gleichzeitig präsent ist, kann es hilfreich sein, kurz innezuhalten und die eigene Situation etwas klarer zu sehen.
Dieses Mini-Workbook führt dich durch drei einfache Fragen, die dir helfen, deine aktuelle innere Lage besser einzuordnen – ruhig und ohne Druck.



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