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Warum sich Erschöpfung nach den Feiertagen oft verstärkt

  • Autorenbild: Monia von Burg
    Monia von Burg
  • 5. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Winterliche Berglandschaft mit weiter Perspektive als visuelle Begleitung zum Thema Übergang und innere Verarbeitung

Der Beginn eines neuen Jahres ist gesellschaftlich stark mit Erwartungen an Neuanfang und Aufbruch verbunden. Psychologisch zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild.


Viele Frauen erleben den Wiedereinstieg in den Alltag nicht als entlastend, sondern als innerlich belastend. Dieses Erleben lässt sich als Folge anhaltender mentaler und emotionaler Beanspruchung einordnen.


Die Zeit rund um Weihnachten und den Jahreswechsel ist selten neutral. Erwartungen an Nähe, Harmonie und emotionale Verfügbarkeit nehmen zu, während organisatorische Verantwortung bestehen bleibt. Studien zeigen, dass solche Phasen mit erhöhter emotionaler Beanspruchung einhergehen, insbesondere bei Frauen, die mehrere Rollen gleichzeitig tragen (Hochschild, 1983; Moreno-Agostino et al., 2023).



Feiertage sind oft keine echte Erholung


Ruhiger Wohnraum nach den Feiertagen, der den Nachklang einer emotional intensiven Zeit widerspiegelt

Feiertage werden häufig als Erholungszeit beschrieben. Aus psychologischer Perspektive sind sie jedoch oft mit einer erhöhten inneren Aktivität verbunden. Entscheidend ist dabei weniger die Anzahl der Aufgaben als die Dichte sozialer und emotionaler Erwartungen. In dieser Zeit sollen Nähe gelingen, Harmonie aufrechterhalten und Beziehungen als stimmig erlebt werden. Diese Erwartungen erzeugen einen inneren Anpassungsdruck, der weniger über Handlungen als über emotionale Regulation bewältigt wird.


Um diesen Anpassungsdruck auszugleichen, leisten viele Frauen emotionale Arbeit. Darunter werden Prozesse verstanden, bei denen eigene Gefühle reguliert und gleichzeitig die emotionalen Bedürfnisse anderer berücksichtigt werden, um Beziehungen stabil zu halten (Hochschild, 1983). Diese Arbeit bleibt meist unsichtbar, bindet jedoch kontinuierlich innere Aufmerksamkeit und emotionale Selbststeuerung.


Unabhängig davon, ob die Feiertage im Familienkreis oder alleine verbracht werden, berichten viele Frauen von einer erhöhten inneren Anspannung. Einsamkeit, unausgesprochene Konflikte oder das Gefühl, Erwartungen nicht gerecht zu werden, binden emotionale Ressourcen. Diese Belastungen werden häufig erst im Nachhinein bewusst.



Mentale Last als dauerhafte Hintergrundaktivität


Ruhiger Alltagsraum im Tageslicht als visuelle Darstellung mentaler Last, die auch in arbeitsfreien Zeiten präsent bleibt

Parallel zur emotionalen Ebene bleibt die mentale Last bestehen. Sie zeigt sich im ständigen inneren Mitdenken: Termine, Bedürfnisse anderer, offene Aufgaben oder Verantwortlichkeiten laufen gedanklich weiter, auch wenn äusserlich weniger zu tun ist. Mental Load beschreibt diese Form dauerhafter kognitiver Verantwortlichkeit, die unabhängig von konkreten Handlungen bestehen bleibt (Daminger, 2019).


Empirische Befunde zeigen, dass Frauen diese Last häufiger tragen und dass sie mit erhöhter Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und dem Gefühl innerer Unruhe verbunden ist (Moreno-Agostino et al., 2023). In arbeitsfreien Zeiten verändert sich diese Belastung oft nur äusserlich, innerlich bleibt sie aktiv.



Warum Erschöpfung oft erst nach den Feiertagen spürbar wird


Ruhiger Wohnraum im Tageslicht als Bild für verzögert spürbare Erschöpfung nach emotional und mental belastenden Phasen

Viele Frauen bemerken erst nach dem Jahreswechsel Veränderungen auf körperlicher und emotionaler Ebene. Der Schlaf wird leichter und weniger erholsam, Gedanken kreisen trotz geringerer Anforderungen, die Stimmung wirkt flacher oder ungewohnt gereizt. In der Stressforschung wird dieses Muster als verzögerte Erschöpfungsreaktion beschrieben. Solange Anforderungen bestehen, bleibt das Stresssystem auf Aktivierung ausgerichtet. Erst wenn äussere Verpflichtungen wegfallen, wird Erschöpfung subjektiv wahrnehmbar (McEwen, 1998).


Aus neuropsychologischer Sicht beginnt das Nervensystem in dieser Phase, Anspannung abzubauen. Dabei treten Empfindungen in den Vordergrund, die zuvor funktional zurückgestellt waren, etwa Müdigkeit, innere Leere oder emotionale Reizbarkeit (Porges, 2011). Diese Reaktionen sind Ausdruck von Verarbeitung, nicht von Instabilität.



Der Januar als psychologisch sensible Übergangszeit



Leerer Winterweg im diffusen Licht als Metapher für psychologisch sensible Übergangsphasen

Übergänge gelten in der Psychologie als besonders sensible Phasen, da mehrere Anpassungsprozesse gleichzeitig stattfinden (Schlossberg, 2011). Der Wechsel von einer emotional verdichteten Zeit zurück in strukturierte Alltagsabläufe kann bestehende Belastungen deutlicher hervortreten lassen. Verstärkt wird dies durch gesellschaftliche Erwartungen an Motivation und Leistungsbereitschaft zu Jahresbeginn.


Für viele Frauen entsteht dadurch eine innere Diskrepanz zwischen dem, was erwartet wird, und dem, was gerade spürbar ist. Dieses Spannungsfeld ist nachvollziehbar und steht in engem Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Wechsel von Rolle, Tempo und Erwartungshaltung.



Wahrnehmen und einordnen


In solchen Phasen steht weniger Veränderung im Vordergrund als Einordnung. Forschung zur Emotionsregulation zeigt, dass das bewusste Wahrnehmen und Benennen innerer Zustände bereits entlastend wirken kann, da es innere Prozesse strukturierbar macht (Gross, 2015).


Die Unterscheidung zwischen mentaler Last und emotionaler Belastung kann dabei helfen, diffuse Erschöpfung differenzierter zu verstehen.


Gleichzeitig zeigt sich, dass diese Belastungen häufig bestehen bleiben, wenn sie ausschliesslich innerlich verarbeitet werden. Erst durch eine klarere Einordnung wird das eigene Erleben besser zugänglich und nachvollziehbar.



Sanftes Licht in einem leeren Raum als Bild für Nachklang und psychische Verarbeitung

Schlussgedanke


Der Beginn eines neuen Jahres bedeutet nicht für alle einen inneren Neubeginn. Häufig wird erst jetzt wahrnehmbar, was zuvor getragen wurde. Diese Wahrnehmung lässt sich als Ausdruck psychischer Verarbeitung verstehen und trägt dazu bei, das eigene Erleben differenzierter einzuordnen.




Quellen


  • Daminger, A. (2019). The cognitive dimension of household labor. American Sociological Review, 84(4), 609–633. https://doi.org/10.1177/0003122419859007

  • Gross, J. J. (2015). Emotion regulation: Current status and future prospects. Psychological Inquiry, 26(1), 1–26. https://doi.org/10.1080/1047840X.2014.940781

  • Hochschild, A. R. (1983). The managed heart: Commercialization of human feeling. University of California Press.

  • McEwen, B. S. (1998). Stress, adaptation, and disease: Allostasis and allostatic load. Annals of the New York Academy of Sciences, 840, 33–44. https://doi.org/10.1111/j.1749-6632.1998.tb09546.x

  • Moreno-Agostino, D., et al. (2023). Mental load and invisible work in women: Psychological consequences during and after the pandemic. Archives of Women’s Mental Health, 26(4), 689–702. https://doi.org/10.1007/s00737-024-01497-3

  • Porges, S. W. (2011). The polyvagal theory: Neurophysiological foundations of emotions, attachment, communication, and self-regulation. W. W. Norton.

  • Schlossberg, N. K. (2011). The challenge of change: The transition model and its applications. Journal of Employment Counseling, 48(4), 159–162. https://doi.org/10.1002/j.2161-1920.2011.tb01102.x



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Coaching für Frauen | Parkstrasse 25, 5400 Baden | www.mvbcoaching.ch 


Monia von Burg


Wer bin ich?


Ich bin Monia von Burg, Psychologin (MSc UZH) und Coach für Frauen in Baden (AG) und online.


Ich begleite Frauen, die im Alltag viel Verantwortung tragen und merken, dass die innere Anspannung bestehen bleibt – auch dann, wenn nach aussen vieles funktioniert.


In meinen Coachings geht es nicht darum, noch mehr zu leisten oder sich besser zu organisieren.


Sondern darum, die eigene Situation differenziert zu verstehen und einen Umgang zu entwickeln, der langfristig mehr Stabilität im Alltag ermöglicht.



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