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Innere Klarheit: Wie Werte Orientierung geben können

  • Autorenbild: Monia von Burg
    Monia von Burg
  • 24. Apr. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Frau im Licht auf einem Waldweg

Innere Klarheit wird häufig dann zum Thema, wenn Entscheidungen schwerfallen oder sich das eigene Handeln nicht mehr eindeutig stimmig anfühlt.


Im Alltag vieler Frauen zeigt sich dies in Situationen, in denen verschiedene Erwartungen gleichzeitig wirksam sind und wenig Raum für eigene Orientierung bleibt.


Psychologisch betrachtet steht dahinter oft weniger ein Mangel an Möglichkeiten, sondern eine eingeschränkte Verbindung zu eigenen Werten und inneren Bezugspunkten.



Wenn das Selbstbild unscharf wird: Warum Rollen unser Ich überlagern


Das psychologische Selbstkonzept beschreibt die Gesamtheit der Überzeugungen, die eine Person über sich selbst entwickelt – etwa in Bezug auf Fähigkeiten, Zugehörigkeit, Werte oder Ziele.


Im Alltag kann dieses Selbstbild durch soziale Rollen überlagert werden. Wenn sich Identität über längere Zeit stark an äusseren Erwartungen orientiert, nimmt die erlebte Selbstkongruenz – also die Übereinstimmung zwischen innerem Empfinden und gelebtem Verhalten – häufig ab.


Forschung zeigt, dass eine stärkere Orientierung an persönlichen Werten mit höherer psychischer Flexibilität und mehr innerer Stabilität einhergeht (Hayes et al., 2006).


Werte dienen dabei nicht als Ziel, sondern als Richtung, die Orientierung gibt, ohne zu bewerten oder zu kontrollieren.



Anpassung mit Nebenwirkung: Wie wir uns im Aussen verlieren


Soziale Anpassung ist ein tief verankertes menschliches Bedürfnis – insbesondere dann, wenn Zugehörigkeit, Beziehungssicherheit oder Harmonie im Vordergrund stehen. Viele Frauen werden schon früh darin bestärkt, mitzudenken, Rücksicht zu nehmen und für andere da zu sein.


Diese Fähigkeiten sind wertvoll. Sie fördern Verbindung, Fürsorge und soziale Stabilität.

Schwierig wird es dann, wenn das eigene Verhalten über längere Zeit hauptsächlich auf das Aussen ausgerichtet ist – auf Erwartungen, Bedürfnisse und Dynamiken anderer.


In solchen Mustern wird der Zugang zum eigenen Inneren oft leiser. Es fällt schwerer zu spüren oder zu benennen, was man selbst eigentlich will, braucht oder fühlt.


Die Bindungsforschung zeigt, warum: John Bowlby (1988) beschrieb Zugehörigkeit als zentrales menschliches Bedürfnis – gerade dann, wenn emotionale Sicherheit früh mit Anpassung oder Leistung verknüpft wurde.


In solchen Fällen wird der Wunsch, nicht zu enttäuschen oder dazuzugehören, schnell zum inneren Kompass – oft stärker als die eigenen Bedürfnisse.


Das zeigt sich heute zum Beispiel so:

  • Entscheidungen fühlen sich vage oder schwer an

  • Konflikte werden vermieden – obwohl innerlich etwas nicht stimmig ist

  • Es entsteht der Druck, zu funktionieren – aber selten aus echtem Eigenantrieb heraus


Diese Verhaltensweisen sind keine Schwächen. Sie sind oft gelernt – aus Lebenserfahrung, früher Prägung oder Bindungsgeschichte.


Doch auf Dauer können sie zur Belastung werden: Sie überlagern die Verbindung zu eigenen Bedürfnissen – und machen es schwer, Entscheidungen aus deiner inneren Haltung heraus zu treffen.



Innere Orientierung beginnt mit der richtigen Frage


In Phasen innerer Unsicherheit verschiebt sich der Fokus häufig von eigenen Orientierungspunkten hin zu äusseren Erwartungen.


Psychologisch zeigt sich, dass Klarheit weniger durch unmittelbare Entscheidungen entsteht, sondern durch die bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Werten.


Dabei steht nicht die Frage im Vordergrund, was als nächstes getan werden sollte, sondern welche Richtung dem eigenen Erleben entspricht – unabhängig von aktuellen Anforderungen.



Werte als innere Orientierung unter Belastung


In der psychologischen Wertearbeit – unter anderem im Rahmen der Acceptance and Commitment Therapy (ACT) – wird davon ausgegangen, dass Werte als stabile Orientierungspunkte dienen können, auch in Phasen von Unsicherheit oder hoher Belastung (Hayes et al., 2006).


Dabei geht es nicht um konkrete Ziele oder schnelle Lösungen, sondern um die Klärung dessen, was langfristig als bedeutsam erlebt wird.


Diese Form der inneren Ausrichtung kann dazu beitragen, Entscheidungen weniger stark an äusseren Erwartungen und stärker an persönlichen Bezugspunkten auszurichten.


Die Psychologin Kristin Neff (2003) beschreibt in ihrer Forschung zum Selbstmitgefühl, wie eine freundliche innere Haltung nicht nur das emotionale Gleichgewicht stärkt – sondern auch die Fähigkeit, in herausfordernden Zeiten klar und verbunden mit sich selbst zu bleiben.




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Fazit: Was du mitnehmen darfst


Stillleben mit Teetasse und Notizbuch

Innere Klarheit entsteht nicht durch einen einzelnen Entschluss, sondern durch eine schrittweise Rückverbindung zu eigenen Orientierungspunkten.


Wenn sich das eigene Handeln über längere Zeit stark an äusseren Erwartungen ausrichtet, kann diese Verbindung weniger zugänglich werden.


Werte können in diesem Kontext eine stabilisierende Funktion übernehmen, indem sie eine Richtung vorgeben, die unabhängig von wechselnden Anforderungen bestehen bleibt.


Diese Dynamik zu verstehen, kann helfen, das eigene Erleben differenzierter einzuordnen – insbesondere in Phasen, in denen Orientierung schwerfällt.


Wenn du merkst, dass sich Entscheidungen oft unklar anfühlen oder stark von äusseren Erwartungen geprägt sind, kann es hilfreich sein, diese Zusammenhänge genauer zu verstehen.


Ein geschützter Rahmen kann dabei unterstützen, eigene Orientierungspunkte wieder zugänglicher zu machen und ein klareres Gefühl für die eigene Richtung zu entwickeln.





Quellen

  • Bowlby, J. (1988). A secure base: Parent-child attachment and healthy human development. Basic Books.

  • Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (2006). Acceptance and commitment therapy: An experiential approach to behavior change. Guilford Press.

  • Neff, K. D. (2003). Self-compassion: An alternative conceptualization of a healthy attitude toward oneself. Self and Identity, 2(2), 85–101. https://doi.org/10.1080/15298860309032


Monia von Burg Coaching

Coaching für Frauen | Parkstrasse 25, 5400 Baden | www.mvbcoaching.ch 


Monia von Burg


Wer bin ich?


Ich bin Monia von Burg, Psychologin (MSc UZH) und Coach für Frauen in Baden (AG) und online.


Ich begleite Frauen, die im Alltag viel Verantwortung tragen und merken, dass die innere Anspannung bestehen bleibt – auch dann, wenn nach aussen vieles funktioniert.


In meinen Coachings geht es nicht darum, noch mehr zu leisten oder sich besser zu organisieren.


Sondern darum, die eigene Situation differenziert zu verstehen und einen Umgang zu entwickeln, der langfristig mehr Stabilität im Alltag ermöglicht.



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