Selbstfürsorge: Warum sie oft anders wirkt als erwartet
- Monia von Burg

- 4. Feb. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Selbstfürsorge ist ein Begriff, der in vielen Kontexten verwendet wird – von Alltagstipps bis hin zu kommerziellen Angeboten.

Gleichzeitig zeigt sich im Alltag vieler Frauen, dass diese Vorstellungen oft wenig mit ihrer tatsächlichen Situation zu tun haben.
Psychologisch betrachtet beschreibt Selbstfürsorge jedoch keine zusätzlichen Aktivitäten, sondern einen grundlegenden Umgang mit eigenen Bedürfnissen und innerer Belastung.
Dabei ist Selbstfürsorge nicht Luxus – sondern psychologisch gesehen eine zentrale Ressource für Resilienz und emotionale Gesundheit. Nicht etwas, das on top kommen muss, sondern etwas, das dich im Innersten stärkt.
Was Selbstfürsorge (nicht) ist
Selbstfürsorge wird häufig mit Belohnung oder Entspannung gleichgesetzt.
In der psychologischen Forschung wird sie jedoch als eine Form von Selbstzuwendung verstanden, die dem Erhalt psychischer und körperlicher Gesundheit dient.
Die American Psychological Association (2023) definiert Self-Care als die bewusste Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen körperlichen und psychischen Wohlbefinden.
Damit ist Selbstfürsorge nicht etwas, das erst nach der Erledigung aller Aufgaben relevant wird, sondern ein Bestandteil der alltäglichen Selbstregulation.
Studien zeigen, dass regelmässige Selbstfürsorge mit höherer Lebenszufriedenheit, geringerer Stressbelastung und besserer Emotionsregulation einhergeht (Mills et al., 2018; Dorociak et al., 2017).
Der Schlüssel: Eigene Bedürfnisse spüren
Ein zentrales Element von Selbstfürsorge ist die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, anstatt sie dauerhaft zu übergehen.
In der Psychologie wird dieser Prozess als Interozeption bezeichnet – die Wahrnehmung innerer körperlicher und emotionaler Zustände, wie beispielsweise Müdigkeit, Anspannung oder innere Unruhe.
Forschung zeigt, dass eine differenzierte Wahrnehmung dieser Signale mit einer besseren Emotionsregulation und einem früheren Erkennen von Belastung einhergeht (Mehling et al., 2012).
Selbstfürsorge im Alltag
Im Alltag wird Selbstfürsorge häufig mit zusätzlichen Handlungen oder Zeitaufwand verbunden.
Psychologisch zeigt sich jedoch, dass ihre Wirkung weniger von der Grösse einzelner Aktivitäten abhängt, sondern davon, ob ein bewusster Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen besteht.
Auch kurze Momente der Selbstzuwendung können regulierend auf das Nervensystem wirken und dazu beitragen, aus einem dauerhaften Funktionsmodus herauszutreten.
Wenn dir das (noch) schwerfällt…
Für viele Frauen ist dieser Zugang jedoch nicht unmittelbar verfügbar.
Gerade bei anhaltender Mehrfachbelastung kann es zur Gewohnheit werden, eigene Bedürfnisse zurückzustellen und den Alltag primär über Funktionieren zu organisieren.
In solchen Fällen geht die Wahrnehmung innerer Signale nicht bewusst verloren, sondern wird über längere Zeit weniger zugänglich.
Forschung zeigt jedoch, dass diese Fähigkeit durch achtsamkeitsbasierte Verfahren und Körperwahrnehmung wieder gestärkt werden kann (Farb et al., 2013).
Eine kleine Übung zur Selbstwahrnehmung

Die Wahrnehmung eigener innerer Zustände lässt sich nicht erzwingen, sondern entwickelt sich häufig schrittweise über bewusste Aufmerksamkeit.
Bereits kurze Momente, in denen körperliche oder emotionale Zustände wahrgenommen werden, können dazu beitragen, den Kontakt zu eigenen Bedürfnissen wieder zu stärken.
Fazit
Selbstfürsorge beschreibt keinen zusätzlichen Anspruch, sondern eine grundlegende Form des Umgangs mit sich selbst.
Sie wird oft erst dann relevant, wenn Belastung bereits deutlich spürbar ist.
Tatsächlich zeigt sich jedoch, dass sie vor allem in alltäglichen, wenig sichtbaren Momenten wirksam wird – dort, wo innere Zustände wahrgenommen und nicht unmittelbar übergangen werden.
Quellen
American Psychological Association. (2023). Self-care. In APA dictionary of psychology. https://dictionary.apa.org/self-care
Dorociak, K. E., Rupert, P. A., Bryant, F. B., & Zahniser, E. (2017). Development of the Self-Care Assessment for Psychologists. Journal of Counseling Psychology, 64(3), 325–334. https://doi.org/10.1037/cou0000206
Farb, N. A. S., Segal, Z. V., & Anderson, A. K. (2013). Mindfulness meditation training alters cortical representations of interoceptive attention. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 8(1), 15–26. https://doi.org/10.1093/scan/nss066
Mehling, W. E., Price, C., Daubenmier, J. J., Acree, M., Bartmess, E., & Stewart, A. L. (2012). The Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness (MAIA). PLOS ONE, 7(11), e48230. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0048230
Mills, J., Wand, T., & Fraser, J. A. (2018). Self-care in health professionals: A concept analysis. International Journal of Nursing Studies, 88, 105–113. https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2018.08.015

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Wer bin ich?
Ich bin Monia von Burg, Psychologin (MSc UZH) und Coach für Frauen in Baden (AG) und online.
Ich begleite Frauen, die im Alltag viel Verantwortung tragen und merken, dass die innere Anspannung bestehen bleibt – auch dann, wenn nach aussen vieles funktioniert.
In meinen Coachings geht es nicht darum, noch mehr zu leisten oder sich besser zu organisieren.
Sondern darum, die eigene Situation differenziert zu verstehen und einen Umgang zu entwickeln, der langfristig mehr Stabilität im Alltag ermöglicht.
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